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Ophthalmotechnologie in der Biomedizintechnik - "Sehen" meets "Technik"

Jürgen Grein, Mathias Beyerlein

 

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Seit dem Wintersemester 2013/14 wird an der FH Lübeck innerhalb des Bachelor-Studiengangs Biomedizintechnik die neue Vertiefungsrichtung Ophthalmotechnologie (OT) zusätzlich zu den beiden bereits bestehenden Vertiefungen allgemeine Biomedizintechnik (BMT) und Qualitäts- und Sicherheitstechnik (QST) angeboten. Die Ophthalmotechnologie verbindet die Disziplinen Augenheilkunde ("Ophthalmo-") und technische Optik ("-technologie"). In diese neue Studienmöglichkeit fließt auch die Expertise aus dem bisherigen Studiengang Augenoptik ein. Sie wird durch Fachwissen aus den optischen Technologien ergänzt.

Berufliche Chancen

Medizintechnikunternehmen mit Geschäftsfeldern im Bereich der Optik suchen vermehrt hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In vielen Gesprächen mit Vertretern von ophthalmotechnologischen Firmen wurde im Vorfeld der Bedarf für die Vertiefung OT genau analysiert. Für die Entwicklung und Vermarktung diagnostischer und therapeutischer Geräte wird viel Spezialwissen benötigt. Ausschließlich technisch ausgebildeten Ingenieuren fehlt meist das Verständnis für die medizinischen Zusammenhänge. Augenoptiker hingegen besitzen oft zu wenig Know-How im Bereich der technischen Optik. In diese Lücke stößt die neue Vertiefungsrichtung OT.

Die zukünftigen Ingenieure für Ophthalmotechnologie erhalten sowohl eine fundierte ingenieur-technische Grundausbildung mit vertieftem Wissen im Bereich der technischen Optik als auch detaillierte Kenntnisse zu Physiologie und Pathologie des Sehsystems. Sie lernen die Denkweise und Sprache des Ingenieurs genauso zu verstehen, wie die des Augenarztes oder Augenoptikers. Ophthalmotechnologen setzen medizinische Fragestellungen in technische Lösungen um, machen Mediziner mit neuen Technologien vertraut und arbeiten im besten Sinne interdisziplinär.

In der späteren beruflichen Tätigkeit können die Absolventinnen und Absolventen in Forschung und Entwicklung, Produktmanagement und Marketing oder Service und Vertrieb, ihr technologisches Wissen einsetzen und dabei die physiologischen Zusammenhänge des visuellen Systems einbeziehen. Durch die breite technische Ausbildung erschließt sich den Absolventinnen und Absolventen aber auch ein weit darüber hinaus gehender Arbeitsmarkt im Bereich der optischen Technologien.

Aufbau des Studiengangs - Vertiefung Ophthalmotechnologie

In den ersten drei Semestern sind die Inhalte aller Biomedizintechnik-Studierenden unabhängig von der Vertiefungsrichtung weitgehend gleich. Im dritten Semester entscheiden sich die Studierenden für eine der drei Vertiefungsrichtungen und können in einer ersten einführenden Vorlesung die gewählte Thematik kennenlernen. Ab dem vierten Semester finden dann die vertiefungsrichtungsspezifischen Lehrveranstaltungen statt, die für die Vertiefung OT Vorlesungen und Laborpraktika aus den medizinisch-physiologischen bzw. technisch-ingenieurwissenschaftlichen Bereichen umfassen (Tabelle 1). Über Wahlfächer z.B. aus der Lasertechnik oder Lasermedizin aber auch aus dem Qualitätsmanagement kann der Studienplan zusätzlich auf individuelle Interessen ausgerichtet werden. Das siebente Semester umfasst die 12-wöchigen Praxisphase und die 3-monatige Bachelor-Arbeit.

Tab. 1. Aufbau des Bachelor-Studiengangs Biomedizintechnik

 

Die Themen der beiden Arbeitsgebiete während der Vertiefungsphase zeigt Tabelle 2. Den Bereich der Ophthalmologie lehrt Professor Dr. med. Hans-Jürgen Grein, der als Mediziner und Ingenieur der Augenoptik den erwähnten Studiengang Augenoptik leitete und zuvor bereits als Professor für Physiologische Optik an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena tätig war. Professor Dr. Mathias Beyerlein ist Physiker und hat langjährige Erfahrung als Geschäftsführer eines kleinen innovativen Unternehmens für optische Messtechnologien. Er betreute viele Projekte von der Idee über die Entwicklung bis zur Marktreife und arbeitete dabei intensiv mit Anbietern aus dem ophthalmotechnologischen Sektor zusammen. Mario Wiegleb, der als Absolvent und ehemaliger Mitarbeiter im Bereich Augenoptik der Ernst-Abbe-Hochschule Jena einschlägige Erfahrung besitzt, ergänzt als Laboringenieur das kompetente Team für die Ausbildung der Ophthamotechnologie an der FH Lübeck.

Tab. 2. Struktur der Vertiefung »Ophthalmotechnik"

 

Lernumfeld

Für die praktische Ausbildung stehen den Studierenden mehrere Labore zur Verfügung, die zur Zeit mit neuester Technik ausgestattet werden und erstklassige Lehr- und Lernbedingungen bieten. Sie umfassen thematisch die Bereiche Optometrie, Physiologische Optik, Ophthalmische Gerätetechnik sowie optische Mess- und Systemtechnik und bieten gerätetechnische Möglichkeiten, die in diesem Umfang kaum an anderer Stelle vorzufinden sind. Somit werden die umfangreichen Vorlesungen in der Vertiefung OT durch Praktika ideal ergänzt. Kleine Gruppengrößen stellen eine intensive Betreuung der Studierenden durch die Dozenten sicher.

Studierende im Praktikum Optometrie

 

Lehre und Forschung in der Medizintechnik haben an der Fachhochschule Lübeck Tradition. Der eigenständige Bachelor-, sowie ein Masterstudiengang in Kooperation mit der Universität zu Lübeck prägen diesen Bereich. Kooperationspartner, wie das Institut für Biomedizinische Optik (BMO) an der Universität zu Lübeck, ansässige Firmen im Bereich Ophthalmotechnologie und die Nähe zum Universitätsklinikum Schleswig-Holstein bieten Studierenden ein hervorragendes Umfeld mit vielfältigen Möglichkeiten der Vernetzung.

Autoren

Prof. Dr. Hans-Jürgen Grein
Fachhochschule Lübeck
Fachbereichs Angewandte Naturwissenschaften (korrespondierender Autor)
Mönkhofer Weg 239
23562 Lübeck
E-Mail: hans-juergen.grein@fh-luebeck.de

Prof. Dr. rer. nat. Mathias Beyerlein
Fachhochschule Lübeck
Fachbereichs Angewandte Naturwissenschaften
Mönkhofer Weg 239
23562 Lübeck
E-Mail: mathias.beyerlein@fh-luebeck.de